UNSERE GESCHICHTE
Bioiatrie ist unsere Antwort auf ein Gesundheitssystem, das oft überfordert, aber selten heilt.
Und Boo zeigt uns heute, wie Lebensqualität zurückkehren kann.
Dass es diese Seite überhaupt gibt, verdanken wir Boo. Boo, einem bärengleichen Hund mit zerbrechlicher Seele – und einem Körper, der leider von Anfang an nicht ganz mitspielen wollte. Seit er als Welpe bei uns einzog, plagten ihn gesundheitliche Probleme. Es begann mit ständigem Durchfall. Mit etwa drei Monaten kam regelmäßiges Erbrechen hinzu. Nach dem Fressen ging es ihm meist etwas besser – doch von echtem Appetit, von welpentypischer Fresslust, keine Spur. Natürlich versuchten wir alles, was man versuchen kann: Zogen Ernährungsspezialisten hinzu, stellten sein Futter um - vergeblich. Boo stand unter ständiger tierärztlicher Betreuung, wurde untersucht, beprobt, beultraschallt – doch nichts. Kein Befund. Keine Parasiten, kein auffälliges Blutbild, kein greifbarer Hinweis. Dafür aber zunehmende Bauchschmerzen. Morgens begrüßte er uns mit gekrümmtem Rücken, bemüht um ein Schwanzwedeln, um ein Lächeln – als wollte er sagen: „Ich geb mein Bestes.“ Und dann kam Blut. Im Erbrochenen, im Kot. Und irgendwann kam der Punkt, an dem er gar nicht mehr fressen wollte. Die Diagnose: Gastritis. Die Therapie: Magensäureblocker, Spritzen gegen Übelkeit, die Hoffnung auf Besserung. Wir hangelten uns von Tag zu Tag, versuchten, trotz allem, das Leben schön zu machen – Spaziergänge, Spiele, Entdeckungen. Doch all das war nur in kleinen Dosen möglich. Für einen jungen Hund hatte Boo erschreckend wenige gute Momente. Und dann kam die Zecken- und Flohtablette. Müsste sein, aber immerhin neueste Generation, hochwirksam – und, wie sich zeigte, offenbar auch hochproblematisch. Stundenlang saß Boo nach der Gabe wie in Trance im Garten, starrte ins Leere, wirkte verstört, tagelang wie neben sich stehend. Es war furchtbar, mitanzusehen – und noch furchtbarer, zu wissen, dass wir ihm das selbst verabreicht hatten. Der Tiefpunkt kam mit etwa sieben Monaten: Boo brach im Garten, in den Armen meines Mannes, bewusstlos zusammen. In der Tierklinik sollte er zur weiteren Abklärung zwei Tage bleiben. Die Vermutung: Morbus Addison, eine Autoimmunerkrankung, die unter anderem zu Blackouts führen kann. Ihn dortzulassen – unseren "Kleinen", der nicht verstand, warum wir gingen – war herzzerreißend. Aber die Hoffnung, dass man ihm nun endlich würde helfen können, war größer als die Angst. Am nächsten Morgen der Anruf: Boo hatte sich über Nacht alle Zugänge selbst entfernt, war völlig außer sich. Das Klinikteam, das ihn seit seinen ersten Tagen kannte und liebevoll begleitete, riet uns, ihn zu holen. Die Untersuchungen waren zwar noch nicht abgeschlossen, aber die Trennung war zu viel, sie wussten, dass es ihm zu Hause besser ginge. Aber bitte absolut stressfrei halten: Keine Hundeschule mehr, keine Gäste, kein Trubel – Ruhe. Boo war zu diesem Zeitpunkt stark abgemagert, hatte innerhalb weniger Wochen fast fünf Kilo verloren. Der Verdacht auf Morbus Addison bestätigte sich zum Glück nicht. Stattdessen – Gott sei Dank!? – fand man ein Bakterium. Helicobacter pylori. Der Übeltäter war enttarnt. Die Verordnung: Eine dreiwöchige, dreifache Antibiotikatherapie – ein unglaublicher Kraftakt für den kleinen Körper, das unausgereifte Immunsystem. Doch es war auch der Beginn einer langsamen, zähen, aber hoffnungsvollen Wendung.

WIE ALLES BEGANN
Aus meinem – familiär bedingt – eigenen medizinischen Verständnis heraus war mir schnell klar: Die Antibiose würde Boo nicht leichtfallen. Zu geschwächt war sein Körper, zu empfindlich sein gesamtes System. Also suchten wir parallel Hilfe bei einer Heilpraktikerin. Sie galt als schwierig im Umgang, aber fachlich versiert – ein Klassiker unter den Empfehlungen mit hochgezogener Augenbraue. Boo bekam dort zahlreiche Injektionen – angeblich Vitamine, doch Genaueres ließ sich die Dame nicht entlocken. Die Spritzen waren schmerzhaft. Boo schrie auf, wimmerte, wand sich – und wir saßen daneben, fassungslos. Als sie ihm dann, ohne mit der Wimper zu zucken, prophezeite, dass er als sogenannter Winterwelpe mit seiner gesundheitlichen Vorgeschichte ohnehin kein langes Leben vor sich habe, wurde aus Unbehagen allmählich Entsetzen. Es folgte eine radikale Futterumstellung – eine Ausschlussdiät. Und tatsächlich: Seine Verdauung besserte sich ein wenig. Doch der Preis war hoch. Die Behandlung war von einer Art, die uns zunehmend verstörte – autoritär, intransparent, hart, und für Boo vor allem eins: schmerzhaft. Als sich mein Mann gegen die grobe Behandlung unseres Hundes aussprach, wurde auch er in seine Schranken verwiesen. Für uns war an dieser Stelle klar: So viel Fachlichkeit kann gar nicht im Spiel sein, dass wir das weiter mittragen würden. Der Moment, in dem wir die Reißleine zogen, kam mitten in einer dieser Sitzungen. Es war wie eine stumme Übereinkunft zwischen meinem Mann und mir: Wir schauten uns an, standen auf, sagten höflich, aber bestimmt, dass wir die Behandlung beenden wollten – was nicht gut ankam, um es vorsichtig zu formulieren. Doch der eigentlich erhellende Moment ereignete sich kurz darauf: Ihre beiden Hunde, die während jeder Sitzung wie Statuen in ihren Körbchen liegen mussten und bei der kleinsten Bewegung sanktioniert wurden, erhoben sich – und folgten uns zur Tür. Still, entschlossen, wie zwei heimlich Verbündete. Es war filmreif. Selbstverständlich ließ der Orkan nicht auf sich warten: Die beiden wurden angeschrien, zurückgestampft, buchstäblich ins Körbchen zurückgetreten. Es war ein Moment, der in seiner Groteske tieftraurig war. Glücklicherweise hatten wir bei einem unserer zahlreichen Tierarztbesuche einen anderen Hinweis erhalten – auf eine Homöopathin. Ich selbst hatte mit Homöopathie bis dahin kaum Berührungspunkte, außer einem persönlichen Erlebnis: Ein österreichischer Arzt - Schulmediziner - hatte mir vor Jahren ein homöopathisches Mittel gegen Mandelentzündung empfohlen, da ich auf die meisten Antibiotika allergisch reagiere. Seither hatte ich bei dieser Erkrankung nie wieder ein Antibiotikum gebraucht. Es war ein großer, stiller Erfolg, dem ich nie viel beigemessen hatte – aber nun bekam er Gewicht. Inzwischen hatte ich in meiner Sorge um Boo nahezu jede freie Minute mit Recherchen verbracht – Studien, Erfahrungsberichte, Fachbücher, Foren. Und je mehr ich las, desto einleuchtender erschien mir der homöopathische Ansatz. Nicht als magische Lösung, nicht als Allheilmittel, sondern als sanfte, systemische Therapieform, die gerade in scheinbar aussichtslosen Fällen oft genau jene Hebel zu aktivieren vermochte, auf die die Schulmedizin kein Augenmerk legt. Impulsgebung für ein System, das auf Selbstregulation ausgelegt ist. Ich stellte nie in Frage, ob das „Unsinn“ sei, und das nicht nur, weil ich mich, zugegeben, in meiner Verzweiflung an jeden Strohhalm klammerte, sondern weil mir die Idee einer energetischen Wirkweise logisch erschien. Ich war aufgewachsen mit medizinischem Wissen – inklusive dem Wissen darum, dass es Fälle gibt, in denen sich der Körper jenseits aller Prognosen selbst heilt. Fast jeder Arzt weiß von Spontanremissionen – Genesungen in ärztlich längst aufgegebenen Fällen, die sich keiner Erklärung fügen wollten. Und das lehrte mich: Offenheit kann manchmal der klügste Teil des Verstandes sein.

VERZWEIFLUNG
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HOMÖOPATHIE?
So traten wir also unseren Weg in die klassische Homöopathie an – an der Seite einer warmherzigen, kompetenten Dame, bei der man sofort spürte: Boo lag ihr wirklich am Herzen. Es ging nun, wie in der klassischen Homöopathie üblich, darum, das eine passende Konstitutionsmittel für Boo zu finden – jenes Mittel, das seiner Persönlichkeit, seiner körperlichen Verfassung und seiner individuellen Krankheitsgeschichte in möglichst idealer Weise entsprach. Boo stabilisierte sich tatsächlich ein wenig, sprach auf die ausgewählten Mittel zunächst ganz gut an. Jedoch – wie fast zu erwarten – zeigte er auch das, womit man in der klassischen Homöopathie rechnet: sogenannte Erstreaktionen. Vereinfacht gesagt: überschießende Reaktionen des Organismus, bei denen sich Symptome zunächst verstärken oder kurzzeitig wieder aufflammen. Das klingt kontraintuitiv – gilt aber innerhalb der Methode als gutes Zeichen. Denn wo sich gar nichts tut, ist auch das Mittel vermutlich das falsche. Bei Boo jedoch verliefen diese Reaktionen – wie so vieles bei ihm – nicht ganz nach Lehrbuch. Er war inzwischen, durch sein anhaltendes Unwohlsein, sehr schreckhaft geworden, voller Anspannung und kleiner Ängste, und seine Reaktionen auf die Mittel waren in ihrer Heftigkeit fast schon beunruhigend. Es kam nicht nur zu verstärkten bekannten Symptomen – sondern auch zu neuen, bisher nie dagewesenen Beschwerden. So beruhigte sich unter einem Mittel zwar sein Magen-Darm-Trakt endlich etwas, doch plötzlich schien es, als sei sein Schmerz einfach umgezogen: Boo bekam so starke Hüftbeschwerden, dass er über drei Tage hinweg beim Aufstehen wimmerte, später aufschrie – ein junger Hund, bewegungslos vor Schmerzen. Bei einem anderen Mittel wurde er zwar mutiger im Kontakt mit der Umwelt, dafür aber derart übersensibilisiert, dass der kleinste Reiz eine aggressive, defensive Reaktion auslöste – als hätte sich seine gesamte Wahrnehmung enthemmt. Und ein weiteres Mal, als wir sein starkes Sodbrennen erfolgreich in den Griff bekamen, entwickelte er kurz darauf Symptome einer dramatisch schmerzhaften Harnwegsinfektion: fiebernd, fiepend, zitternd versuchte er zu urinieren, auf allen Vieren, das Beinheben hätte ihn zu Boden gebracht. Heute weiß ich, dass es sich bei all dem nicht um klassische Erstreaktionen handelte – sondern um sogenannte Provings. Das sind Arzneimittelprüfungen am lebenden Objekt, unfreiwillig ausgelöst, wenn ein Mittel zu stark oder schlicht nicht mehr passend ist. Provings zeigen sich durch das Auftreten neuer, vorher nicht vorhandener Symptome – und sie sind ein untrügliches Zeichen dafür, dass ein Mittel nicht nur nicht hilft, sondern den Organismus überfordert. Und heute weiß ich auch, wie man sie stoppt. Damals jedoch wussten wir es nicht – und das bedeutete für Boo, und auch für uns, einen weiteren, kräftezehrenden Umweg. Boo galt bald als übersensibel. Und das war er auch – körperlich wie seelisch. Was immer wir versuchten, nichts brachte nachhaltige Stabilität. Wir machten eine Bioresonanz-Analyse – ein weiteres Puzzle im großen Bild. Hätten wir uns an die dortigen Empfehlungen gehalten, hätte Boo erneut auf eine Handvoll Lebensmittel reduziert werden müssen. Wir versuchten es einige Wochen lang, doch bald meldete sich mein Bauchgefühl: Das kann’s nicht sein. Boo fraß wieder kaum noch – und wenn, dann nicht nur mit Widerwillen, sondern wie mit Resignation. Wir gaben Heilpilze – ein weiterer vielversprechender Ansatz. Doch Boo vertrug sie überhaupt nicht. Jeder dieser Schritte geschah in enger Absprache mit unserer Homöopathin, die uns all die Jahre begleitete – geduldig, engagiert, fürsorglich. Sie war weit mehr als eine Therapeutin. Ihre Begleitung war ein Anker, ihre Haltung oft das, was uns aufrecht hielt. Und doch – trotz all dieser Erfahrung, der Sorgfalt und des Mitgefühls – blieb Boos System eine Herausforderung.
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DER TIEFPUNKT
Mit der Zeit wurde mir immer klarer, wie kraftvoll die Homöopathie sein konnte – aber auch, wie zufällig ihre Ergebnisse mitunter wirkten. Man konnte das richtige Mittel erwischen – oder eben nicht. Jedes neue Präparat schien wie ein Los in einer sehr feinsinnigen Lotterie. Das konnte doch nicht alles sein. Es musste noch etwas anderes geben – etwas Exakteres, etwas, das das Ganze abgestimmter, verträglicher machte. Ich recherchierte weiter – unermüdlich, getrieben von Sorge, aber auch von dieser stillen, unbeirrbaren Hoffnung. Und währenddessen geriet Boo, etwa im Alter von fünf Jahren, immer mehr in eine körperliche Abwärtsspirale. Seine Magen-Darm-Probleme blieben. Hinzu kamen juckende, verkrustende Hautausschläge auf dem Kopf, die sein Fell lichten ließen. Er wurde ein regelrechter Zeckenmagnet – wahrscheinlich hätten sie ihn auch noch im Winter gefunden. Chemische Prophylaxe kam für uns nach den früheren Erfahrungen nicht infrage, doch die natürlichen Mittel halfen nicht besonders. Und dann war da noch diese zunehmende Hitzeempfindlichkeit. Schon milde Sommertage setzten ihm zu. Wenn er sich einmal angestrengt hatte, dauerte es ewig, bis er wieder herunter kam. Vielleicht, weil sein Fellwechsel Zeit seines Lebens nie richtig funktionierte. Vom dichten Winterpelz zur leichten Sommerdecke in 2 Wochen - was andere Akitas spielend schaffen, wollte Boo einfach nie so recht gelingen. Im Februar 2022 fiel mir auf, dass Boo auffallend viel schlief. Nun, geschlafen hatte er eigentlich schon immer viel – besonders im Sommer. Dann hieß es stets: „Weil es so warm ist.“ Aber im Winter fiel dieses Argument weg. Und es war eben kein Ruhen, kein Dösen. Boo schlief. Teils 22 Stunden am Tag. Seine Kondition wurde schwächer, sein Appetit ließ weiter nach. Und sein Kot – meist viel zu weich – war plötzlich auffällig stabil. Was paradox klingen mag, war in diesem Fall kein gutes Zeichen. Draußen war er zunehmend ängstlich. Ab Mai entwickelte er eine regelrechte Panik vor allem, was summte, brummte oder flog – Fliegen, Mücken, Bienen, alles wurde zur Bedrohung. Er wollte nicht mehr raus. Ging teilweise 14 Stunden lang kein Wasser lassen. Wurde dünnhäutig, geradezu empfindungsscheu, mochte kaum noch berührt werden. Boo war nicht mehr er selbst. Er stand unter Dauerspannung. Die sich schließlich in einer Art entlud, die uns zutiefst erschütterte. Boo biss – zweimal, wenn auch ohne maximale Eskalation. Es war kein unprovozierter Angriff, sondern - wie wir heute wissen - eine Grenzreaktion eines Hundes, der sich offensichtlich nicht mehr sicher fühlte. Dennoch standen wir nun unweigerlich vor einer neuen, gewichtigen Frage: Ging von Boo eine Gefahr aus? Mir war klar, dass wir das nicht allein beurteilen konnten. Also suchte ich gezielt professionelle Hilfe und kontaktierte einen auf aggressive Hunde spezialisierten Trainer mit Akita-Erfahrung, um Boo fachlich einschätzen zu lassen. Er reagierte zunächst zurückhaltend, erklärte, dass er nicht mehr mit Akitas arbeite – zu besonders sei deren Art der Kommunikation, Kraft und Agilität. Nachdem er jedoch unsere Geschichte gehört hatte, bat er darum, Boo kennenzulernen. Seine große Routine war sofort spürbar – in seiner kraftvollen Präsenz ebenso wie in den Spuren jahrelanger Arbeit. Mit Respekt, anfänglich großer Distanz, dann zunehmender Nähe beobachtete er unseren Hund über eineinhalb Stunden in unterschiedlichen Situationen. Sein abschließendes Urteil war eindeutig: Boo zeigte keinerlei aggressive Tendenzen. Er wurde als vollständig neutral eingeschätzt. Zwar konnte dies das Geschehene nicht ungeschehen machen, aber es bestärkte uns darin, ihn nicht aufzugeben, weiterzukämpfen, denn schlussendlich ging es Boo – im wahrsten Sinne – einfach nur hundeelend. Diesmal zeigten die Untersuchungen: Seine Schilddrüsenwerte lagen im unteren Referenzbereich, und zusätzlich lag eine akute Anaplasmose vor – eine durch Zecken übertragene Infektion. Wir zogen eine Schilddrüsenspezialistin hinzu, und nach ausführlichem Gespräch begannen wir eine Therapie auf eine vermutete Hypothyreose hin. Ihre Einschätzung: Boo litt womöglich schon seit Welpenalter an einer Unterfunktion – eine stille Ursache, die all seine Symptome plausibel erklären konnte. Doch aufgrund seines desolaten Zustandes musste auch die Anaplasmose behandelt werden. Drei Wochen Antibiotika – das war der Plan. Ich hatte Angst. Große Angst. Aber wir willigten ein. Zwei Tage hielt Boo durch. Dann kollabierte er – akutes Nierenversagen. Die behandelnden Ärzte entschieden, die Antibiose sofort abzusetzen. Mit klarer Prognose: Er würde sie nicht überleben. Es war wohl die bisher schlimmste Zeit für uns alle. Und wären da nicht Boos Homöopathin gewesen, hätte er es vermutlich tatsächlich nicht geschafft. Zwei Tage lang nahm Boo nicht einmal mehr Wasser zu sich. Wir verabreichten ihm, in für die klassische Homöopathie ungewöhnlich schneller Folge, das verordnete Mittel – Nux Vomica, wie ich heute weiß: DAS Mittel gegen Nebenwirkungen konventioneller Medikamente. Dann geschah etwas. Boo begann plötzlich, beinahe panisch, zu trinken – unaufhörlich, wie besessen, tagelang. Es war, als habe sein Körper beschlossen, nun selbst die Entgiftung zu übernehmen. Eine Woche später nahm er zum ersten Mal wieder Nahrung zu sich. 14 Tage, in denen wir kaum schliefen. In denen wir bangten. In denen wir täglich mit dem Gedanken rangen, ob es nicht das Größte an Liebe wäre, ihn gehen zu lassen. Unser Hund war fünf Jahre alt.

NEUE HOFFNUNG
Boo kam wieder auf die Beine. Fragil, aber immerhin. Seitdem lebte er mit wiederkehrenden Anaplasmose-Schüben: Lethargie, Fieber, Gelenkschmerzen, Niesattacken, Nibbeln an den Pfoten und Magen-Darm-Episoden gehörten zu seinem festen Symptombild. Immerhin waren seine Schilddrüsenhormone eine dieser wenigen glücklichen Schulmedizin-Erfahrungen: Obwohl synthetisch verträgt er sie gut, sie helfen ihm spürbar. Boo ist seither belastbarer, präsenter, aufmerksamer – und die hartnäckigen Hautausschläge auf dem Kopf, die ihn so lange gequält hatten, verschwanden fast vollständig. Und doch hörte ich nicht auf zu suchen. Denn klar war: Die Anaplasmose ließ sich nicht wirklich managen – sie ist unberechenbar, kommt in Wellen, greift immer neue Bereiche des Körpers an. Nicht klar war, ob die Schilddrüsenunterfunktion tatsächlich angeboren war – oder ob sie durch die chronische Belastung des Körpers, durch die Infektion, durch die jahrelang eingeschränkte Ernährung ausgelöst oder verstärkt worden war. Wir standen vor zwei großen, miteinander verflochtenen Krankheitsbildern, für die es schulmedizinisch keine echte Lösung gab. Also recherchierte ich weiter. Und stieß auf eine homöopathische Methode, die mich aufhorchen ließ. Es war Samuel Hahnemanns spätestes Werk, lange nach seinem Tod veröffentlicht: das 6. Organon der Heilkunst, ergänzt durch seine Abhandlung "Die chronischen Krankheiten". Hahnemann, der Begründer der Homöopathie, widmete sich in seinen letzten Jahren stark der Frage, wie die Therapie – insbesondere bei chronisch Kranken – sanfter, wirksamer und nachhaltiger gestaltet werden könne. Die klassische Vorgehensweise mit dem einen Similimum – also dem einzigen passenden Mittel für alle Symptome eines Patienten – war es nicht. Sie war zu starr, zu rigide, und oft zu heftig für bereits geschwächte Organismen. In permanenter Weiterentwicklung seiner Methode behandelte er zum Schluss zunehmend mit LM-Potenzen (den sogenannten Höchstpotenzen), verabreicht in Form von Riechdosen, in feiner, schneller Abfolge und im Wechsel verschiedener Mittel. Nicht mehr ein Mittel für alles, sondern mehrere Mittel für unterschiedliche Symptomkomplexe und unterschiedliche Ebenen einer Erkrankung: vererbte oder erworbene Krankheitsanlagen, chronische Beschwerden, akute Symptome. Er hatte erkannt, dass das systematische Kombinieren und Wiederholen von Mitteln wirkungsvollere und sanftere Behandlung ermöglicht und so die berüchtigten, teils starken Erstreaktionen kontrollierbar werden. Zwar klang die Methode im Hinblick darauf, dass man die Mittel nicht einnimmt, sondern lediglich daran riecht, für mich zunächst durchaus zweifelhaft. Aber ein niederländischer Homöopath, Ewald Stöteler, beschrieb mit dieser Herangehensweise derart durchschlagende Erfolge, dass ich mich ihr zuwandte. Diesmal mit einem neuen Maß an Entschlossenheit: Ich belegte Seminare, las Stötelers Bücher, tauchte tief in Hahnemanns späte Schriften ein und war überzeugt: Das probiere ich aus. Diesmal auch an mir selbst. Ich fand eine Homöopathin, die eng mit Stöteler zusammenarbeitet. Und so traten wir an – Boo und ich, als Doppelprojekt. Bei ihm sollte es vor allem um die Schilddrüsenunterfunktion gehen, bei mir um chronische Rücken- und Kopfschmerzen. Ich verschriftlichte unsere vollständigen Krankheitsgeschichten, was allein schon ein abendfüllendes Unterfangen war, und trat zum Termin an: 90 Minuten eingehende Befragung, intensive Analyse – und schließlich unsere jeweiligen Therapiepläne.

VIEL ZU STARK
Dann ging es los: schnüffeln. Morgens, mittags, abends – in festgelegter Reihenfolge, mit wechselnden Mitteln, und nicht zu knapp. Es waren viele Fläschchen. Sehr viele. Es schien fast, als sei mit Abgabe unserer Krankheitsgeschichten unser jeweiliger Behandlungswunsch ein wenig in den Hintergrund gerückt. Dass ich selbst in der Vergangenheit an Krebs erkrankt war, schien den Ehrgeiz der Mittelanzahl zusätzlich zu befeuern. Boo reagierte jedenfalls recht bald – und sehr deutlich. Schon nach wenigen Tagen drehte er den Kopf weg, sobald ich mit einem der Fläschchen kam. Er wollte nicht mehr riechen – vermutlich wegen des Alkohols in den Lösungen. Also hielt ich ihm die Mittel im Schlaf kurz vor die Nase und wartete auf ein Einatmen. Nach drei Tagen begann er, sich am Hals zu kratzen. Zunächst auffällig, dann heftig, dann exzessiv. Er kratzte sich blutig. Und dann fiel ihm, beinahe schlagartig, auf einer Fläche von etwa 10 mal 20 Zentimetern das gesamte Fell am Hals aus. Die Haut darunter – dort, wo sie nicht bereits durch die Krallen aufgerissen war – war rot, gereizt, entzündet. Nach etwa einer Woche hörte der Fellverlust auf, das Jucken ließ nach, und wir schöpften Hoffnung: Erste feine Härchen zeigten sich auf der kahlen Fläche. Doch zeitgleich geschah etwas Merkwürdiges. Boos weißes Fell an der Brust und am restlichen Hals begann sich rosa zu verfärben. Während die Homöopathin den plötzlichen Fellverlust noch als massive Entgiftungsreaktion deutete, konnte sie sich die Färbung nicht erklären. Auch seine langjährige Tierärztin nicht. Auch nicht die Schilddrüsenspezialistin. So etwas hatte noch niemand gesehen. Und bis heute – Jahre später – ist die Färbung nicht vollständig verschwunden, trotz Fellwechsels. Letzterer, immerhin, schien seitdem etwas besser zu funktionieren – vollständiger, harmonischer, schneller. Aber das war es auch schon mit den positiven Auswirkungen. Insgesamt vertrug Boo die Behandlung schlecht. Seine Magenbeschwerden nahmen deutlich zu. Und obwohl die Homöopathin bereits Anpassungen vornahm und ich die Frequenz des „Schnüffelns“ auf alle drei Tage reduzierte, zeigte sich ein Muster: An jedem Tag nach der Mittelgabe übergab sich Boo. Verlässlich. Es war deutlich: Auch diese Methode – so vielversprechend in ihrer Idee – war für Boo nicht die richtige. So entschieden wir gemeinsam, auch diese Behandlung zu beenden. Ich selbst beendete sie nicht, weil ich körperlich negativ reagiert hätte, ganz im Gegenteil, sondern weil ich im Berufsalltag mit der Komplexität der Methode schlicht überfordert war. Die zahlreichen Mittel, die festen Zeiten, ich vergaß Fläschchen zu Hause, roch zu spät oder in falscher Reihenfolge... es passte einfach nicht zu meinem Leben.

BIOIATRIE!
Also war auch das – die Schnüffelmethode – nicht die Lösung. Aber wir hatten eine weitere Erfahrung gemacht: dass die Mittel wirken. Dass sie Impulse setzen. Dass der Organismus reagiert. Und das, so schwer die unerwünschten Wirkungen im Einzelfall auch sein mochten, war nicht weniger als ein Beweis für die Kraft dieser Substanzen. Selbst mein Mann, der der Homöopathie lange mit großer Skepsis begegnet war, sagte mehr als einmal, dass es unglaublich sei, was diese Mittel auslösten. Leider – wenn auch vollkommen nachvollziehbar – hatte die neue Homöopathin zu Beginn der Behandlung darum gebeten, dass ich mich ausschließlich an sie wenden möge. Zwei Homöopathinnen gleichzeitig, das funktioniere nicht. Ich versuchte, Boos erster Homöopathin – die ihn über Jahre hinweg so liebevoll begleitet hatte – so sanft und respektvoll wie möglich zu erklären, dass ich nun einen anderen Weg gehen wollte. Aber wir hörten nie wieder von ihr. Kein Abschied, kein Gruß. Nur Stille. Und so standen wir nach dem Abbruch der Schnüffel-Behandlung wieder ohne homöopathische Begleitung da – zurückgeworfen auf die konventionelle Medizin, die Boo, wie wir wussten, kaum vertrug. Also recherchierte ich weiter. Und diesmal führte mein Weg mich in jene Richtung, auf der Bioiatrie heute fußt. In einem seiner Werke erwähnte Ewald Stöteler die sogenannten Banerji-Protokolle – und ab diesem Punkt wurde es plötzlich leicht. Ich informierte mich, stieß auf Joette Calabrese, eine amerikanische Homöopathin, die – selbst frustriert von den wenig stabilen Ergebnissen der klassischen Methode – in Kalkutta bei den Ärzten Prasanta und Pratip Banerji gelernt hatte. Dort hatte sie eine homöopathische Praxis kennengelernt, die auf Basis modernster medizinischer Diagnosetechnik protokollbasiert arbeitet. Eine Methode, die ebenfalls nicht mehr das EINE individuelle Mittel für den jeweils einzigartigen Patienten sucht, sondern auf Basis 150jähriger klinischer Erfahrung systematisch erprobte Kombinationen verwendet – gezielt, wirksam, sanft, und vor allem: reproduzierbar. Calabrese nennt es Praktische Homöopathie. Sie verbindet das jahrzehntelange Erfahrungswissen der Dr.s Banerji mit eigenen und Protokollen anderer Homöopathen sowie dem erklärten Ziel, sie verständlich, alltagstauglich und zugänglich zu machen. Dr. Pratip Banerji nahm ihr das Versprechen ab, diese Form der Homöopathie „in die Köpfe möglichst vieler Menschen“ zu bringen – und sie hält dieses Versprechen mit Leidenschaft. Ich studiere diese Methode nun seit gut zwei Jahren. Seit etwa einem Jahr wende ich sie an: bei Boo, bei meinem Mann, bei mir selbst. Sogar bei unseren Gartentieren und Pflanzen. Und ich gebe das Wissen weiter – an Freunde, Familie, Menschen, die offen dafür sind. Und das Beeindruckende: Die Wirkung ist real. Akute Beschwerden lassen sich zuverlässig behandeln, chronische Symptome werden mal schnell, mal allmählich schwächer. Meine Rückenschmerzen sind nur noch punktuell vorhanden. Die Kopfschmerzen? Selten und deutlich schwächer. Mein Morbus Raynaud ist symptomfrei. Der Tinnitus meines Mannes ist leiser geworden. Und das alles ist gut, aber nicht das Entscheidende. Das Entscheidende ist: Wir lernen Boo neu kennen. Er wird widerstandsfähiger. Beweglicher. Lebendiger. Vokaler. Mutiger. Er erträgt Wärme besser. Er frisst und verträgt fast alles. Seine Magen-Darm-Probleme treten nur noch selten auf. Die Anaplasmose-Symptome sind derzeit nicht mehr spürbar. Vielleicht werden wir Boo nie ganz heilen können. Aber vielleicht muss man das auch gar nicht. Denn: Er hat jetzt mehr Lebensqualität. Und das ist, worum es geht. Nur darum.