Als Odelli eine Ehe retten sollte
Aktualisiert: 5. Sept.
Oder: Wenn Frauen plötzlich nachts nicht mehr schlafen, tagsüber schwitzen und der Ehemann angeblich an allem schuld ist
Es war ein warmer Nachmittag, aber nicht so warm. Das möchte ich gleich am Anfang festhalten.
Ich lag an der offenen Balkontür, strategisch klug zwischen einem kleinen Luftzug und der Möglichkeit positioniert, gleichzeitig den Garten und Mami im Auge zu behalten.
Mami hatte Besuch, eine Freundin von ihr, Ende vierzig und meines Wissens bisher durchaus zufrieden mit ihrem Leben und ihrem Mann. Ich hatte sie bei ihrer Ankunft ordnungsgemäß mit Flappi im Maul und einem gedämpften „Woooooooo“ begrüßt.
Danach hatte ich mich zurückgezogen.
Frauengespräche können lang werden.
Doch irgendwann bemerkte ich, dass mit Mamis Freundin etwas nicht stimmte. Sie fächelte sich Luft ins Gesicht, zog ihre Strickjacke aus und öffnete das Fenster weiter.
Ich hob den Kopf.

„Schon wieder“, sagte sie. „Mir ist plötzlich so heiß.“
Dann erzählte sie, dass sie nachts plötzlich schlechter schliefe. Sie wachte nachts oft auf, morgens war sie erschöpft und tagsüber fehlte ihr jetzt of die Energie.
Das klang mir grundsätzlich nicht vernünftig. Nachts schläft man. Falls man nicht schläft, weckt man Papi und geht eine Runde hinaus. Dieses Verfahren hat sich bei uns seit Jahren bewährt.
Dann kam ihr Mann zur Sprache. Offenbar ließ er Dinge herumliegen. Er stellte Fragen im falschen Moment. Manchmal sagte er gar nichts, was ebenfalls falsch war. Und nachts atmete er zu laut.
Ich begann aufmerksam zuzuhören.
„Manchmal“, sagte sie schließlich, „denke ich wirklich, ich sollte ihn verlassen.“
Mein Kopf ging hoch. Jetzt wurde es ernst.
Mami dagegen sah erstaunlich unbesorgt aus. „Seit wann hast du diese Gedanken?“ Die Freundin überlegte. „Seit ein paar Monaten vielleicht. Im Moment macht mich einfach alles wahnsinnig. Ich bin müde, mir ist heiß, ich bin genervt – und irgendwie ist mir alles zu viel.“
Alles? Ich sah zur Tür, hinter der irgendwo mein Papi friedlich seiner Arbeit nachging. Mir gefiel die Richtung dieses Gespräches nicht.
Wenn Menschen ihre Familien auflösten, weil jemand zu laut atmete und gelegentlich etwas herumliegen ließ, befanden wir uns alle auf dünnem Eis. ClaireBear lag regelmäßig mitten im Flur, Flappi befand sich morgens selten dort, wo er abends gewesen war, und von mir selbst wollte ich gar nicht anfangen.
Und Papi konnte ich auch atmen hören. Vor allem nachts. Was, wenn Mami irgendwann auch ...
Ich stand auf. Es gab Situationen, in denen Beobachten genügte. Und es gab Situationen, in denen ein Mann handeln musste.
Ich ging zu meiner Plüschtiergang und entschied mich für Odelli. Odelli ist mein Oktopus. Er hat acht Arme. Und Mamis Freundin wirkte gerade, als könnte sie ein paar zusätzliche davon gebrauchen, um sich selbst und ihr Leben wieder ein bisschen besser festzuhalten.

Ich trug ihn zu ihr und legte ihn vor ihre Füße.
Sie begann zu lachen. „Boo, was soll ich denn mit dem?“ Das fand ich ein wenig undankbar.
Acht Arme! Man sollte Möglichkeiten erkennen, wenn sie einem angeboten werden.
Mami schmunzelte. „Ich glaube, Boo findet, du brauchst Unterstützung.“
Das traf es ziemlich gut.
Mami fragte ihre Freundin noch eine Weile weiter. Über die Nächte, die Erschöpfung, die Hitzewallungen und darüber, seit wann sie so schnell gereizt war. Irgendwann stand sie auf und holte eines ihrer kleinen Gläschen. Die kenne ich. Zuckerkügelchen. Auf dem Röhrchen stand Sepia C200.
Mami sah auf das Gläschen, dann auf Odelli, der inzwischen auf dem Schoß ihrer Freundin saß, und schließlich zu mir. Sie musste schmunzeln. „Sepia“, sagte sie. „Ausgerechnet. Auch ein Tintenfisch.“
Ich sah erst das Gläschen an und dann Odelli. Natürlich wusste ich das. Vermutlich.
Man bekommt in diesem Haus über die Jahre schließlich einiges über Zuckerkügelchen mit.
„Jeden dritten Tag eine Dosis“, sagte Mami. Ihre Freundin sah von dem Gläschen zu Odelli. „Und was mache ich mit meinem Mann?“ Mami lachte. „Den würde ich erst einmal behalten.“ Das hielt ich für einen ausgesprochen vernünftigen Ansatz.
Als sie einige Wochen später wiederkam, fragte Mami, wie es ihr ging. Sie schlief besser. Die Hitzewallungen waren seltener, die bleierne Müdigkeit ließ nach, und auch ihr Mann hatte offenbar eine bemerkenswerte Entwicklung durchgemacht. Er atmete immer noch, aber es störte sie nicht mehr ganz so sehr.
Beim Gehen entdeckte sie Odelli auf dem Sofa, hob ihn hoch und sagte: „Dich hätte ich damals eigentlich mitnehmen sollen.“ Ich stellte mich sofort daneben. So weit ging die Freundschaft nun auch wieder nicht. Odelli gehört zur schließlich Familie. Und Familien gibt man nicht so schnell auf. Schon gar nicht wegen ein bisschen nächtlichem Atmen.
Euer Boo
🐾
Mittelempfehlung/Protokoll:
Sepia C200 – bei hormonellen Ungleichgewichten und spezifischen Beschwerden im Zusammenhang mit Perimenopause und Menopause wie Hitzewallungen, Schlafstörungen, Erschöpfung, Gereiztheit etc. – jeden 3. Tag eine Dosis
Alternativ, bei gleichem Einsatzgebiet, aber weniger spezifischen Beschwerden, Ammonium carbonicum C200 – jeden 2. Tag eine Dosis
Anwendung in eigener Verantwortung. Homöopathie ersetzt im Ernstfall niemals die Konsultation eines (Tier-)Arztes.



Kommentare