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Die Mami ohne Stimme

vor 6 Tagen
4 Min. Lesezeit

Oder: Wenn man auf der Wiesn ein bisschen zu viel von allem hatte.



Es war schon dunkel, als Mami nach Hause kam.


Ich hörte zuerst den Schlüssel in der Haustür und stand sofort auf. Neben mir lag Flappi, den ich vorsichtshalber gleich mitnahm. Man begrüßt Mami nicht ohne geeignete Ausrüstung.


Die Tür ging auf.


„Boooo!“


Mami war wieder da.


Sie trug ein Dirndl, ihre Haare sahen nicht mehr ganz so aus wie vermutlich am Anfang des Abends, und sie roch nach sehr vielen Dingen gleichzeitig. Nach draußen. Nach Menschen. Nach Essen. Ein bisschen nach Bier, obwohl Mami eigentlich gar kein Bier mag. Und vor allem nach Mami.


Ich nahm Flappi fester ins Maul.


„Woooooooooo!“


Mami ging in die Knie und umarmte mich, als hätte sie mich vier Wochen nicht gesehen. Also wedelte ich so heftig, dass mein Hinterteil kurzzeitig eine eigene Bewegungsrichtung entwickelte.


Mami begrüßt Boo nach einem Wiesnabend überschwänglich im hellen Hauseingang, gekleidet in ein olivgrünes Dirndl mit weißer Bluse, während Papi im Hintergrund steht.

Papi stand dahinter und betrachtete uns.


„Na? Schön war’s?“


„Sehr“, sagte Mami.


Ihre Stimme klang etwas rau.


Das fiel mir auf.


Dann erzählte sie Papi von ihrem Abend. Von Menschen, Musik und einem Kaiserschmarren, der offenbar eine Größe gehabt hatte, bei der man sich im Vorfeld hätte einige Fragen stellen können.


Mami hatte sich diese Fragen nicht gestellt.


Das konnte ich gut nachvollziehen. Ich selbst engagiere mich sehr gegen die Verschwendung von Lebensmitteln. Zumindest bei uns in der Küche. Dass mein Magen dieses Engagement gelegentlich kritisiert, ändert nichts an der grundsätzlichen Richtigkeit der Sache. Offenbar hatte Mami sich daran ein Beispiel genommen.


Bevor Mami ins Bett ging, holte sie deshalb noch ihre Zuckerkügelchen. Nux vomica C30.

„Vorsichtshalber“, sagte sie. Irgendwie hatte ich das Gefühl, das sei vernünftig.


Am nächsten Morgen saß ich in der Küche, als Mami hereinkam. Ich sah auf.

Sie sah etwas müde aus, aber ansonsten erstaunlich ordentlich. Sie füllte Wasser in ein Glas, trank und beugte sich dann zu mir.


„Guten Morgen, Boo“, sagte sie.


Jedenfalls bewegte sich ihr Mund entsprechend.


Heraus kam etwas anderes.


Ich legte den Kopf schief.


Mami räusperte sich. „Guten Morgen.“ Diesmal klang sie wie etwas, das ich schon einmal an einem Teich gehört hatte.


Ich stand auf.


Das musste untersucht werden.


Ich schnupperte an Mami. Erst an ihrer Hose, dann an ihren Händen. Schließlich hob ich die Nase in Richtung ihres Gesichts. Mami roch normal.


Sie klang nur nicht so.


Die heisere Mami sitzt am Morgen nach dem Oktoberfest ordentlich in hellblauer Hemdbluse mit einer Tasse am Tisch, während Boo sie aufmerksam betrachtet; eine Sprechblase mit einem krächzenden Wesen, halb Vogel, halb Kröte, versinnbildlicht ihre raue Stimme.

„Meine Stimme ist weg“, krächzte sie.

Ich sah sie an.

Ganz weg war sie offensichtlich nicht.

Aber viel war nicht mehr übrig.


Papi kam herein.


„Na, Nachtigall?“


Mami antwortete etwas.

Papi grinste. Ich nicht.


Mamis Stimme gehört zu den Dingen, auf die ich mich verlasse. Sie sagt „Boo“, wenn ich gemeint bin. Sie sagt „Komm“, wenn ich kommen soll. Sie sagt „Lass das“, wenn sie eine Situation falsch einschätzt.


Und vor allem sagt sie Dinge wie: „Wo ist die Katze?“ „Wo ist der Hase?“ Oder: „Wo ist das Reh?“ Das sind wichtige Sätze. Für unsere Teamarbeit. Mit einer Mami, die klang wie eine alte Tür, würde die Zusammenarbeit schwierig werden.


Mami holte wieder Kügelchen. Diesmal andere. Hepar sulphuris C200.

Dann gingen wir spazieren.


Es war einer dieser Herbstmorgen, an denen die Luft kühl und klar ist und das Laub unter den Pfoten raschelt. Mami hatte eine Jacke an und einen Schal um den Hals. Ich ging vor ihr und prüfte die üblichen Nachrichten am Wegesrand.


Dann blieb Mami stehen.


Ich sah zu ihr zurück.


Sie schaute auf die Wiese.

Und dann flüsterte sie:

„Boo. Wo ist das Reh?“

Ich sah sie an.

Normalerweise ist das ein klarer Arbeitsauftrag.

Diesmal klang es eher nach einem Geheimnis, das der Wald möglichst nicht erfahren sollte.


Ich schaute trotzdem.


Links nichts.

Geradeaus nichts.

Dann bewegte sich am Waldrand etwas.

Da stand es.

Ich blieb stehen und sah zum Reh.

Mami lächelte.

Teamarbeit funktionierte also noch.

Nur etwas leiser.


Zu Hause sprach Mami an diesem Tag wenig. Das erschien mir sinnvoll. Sie arbeitete still, trank viel und nahm abends noch einmal Kügelchen.


Am nächsten Morgen kam sie wieder in die Küche. Ich lag bei Flappi und beobachtete sie vorsichtshalber. Mami füllte ihr Wasserglas. Dann sah sie mich an.


„Guten Morgen, Boo.“


Ich hob den Kopf.

Da war sie wieder.

Noch etwas rau vielleicht.

Aber eindeutig Mami.


Ich stand auf, holte Flappi und ging zu ihr.

„Woooooooooo!“

Mami lachte.

Das klang auch wieder besser.


Ein paar Tage später und einige Kügelchen mehr war ihre Stimme vollständig zurück, und bei unserem nächsten Spaziergang entdeckte Mami wieder als Erste eine Katze.


„Boo! Wo ist die Katze?“

Klar und deutlich.


Ich schaute mich um.


So konnte man arbeiten.




Euer Boo


🐾




Mittelempfehlungen/Protokolle:

Nux vomica C30 - bei Beschwerden nach Übermaß oder einem „Zuviel“, beispielsweise zu viel Essen oder Alkohol, insbesondere bei daraus folgenden Verdauungsbeschwerden, Übelkeit oder typischen Hangover-Beschwerden bzw. Folgen eines Katers inklusive Kopfschmerzen - im Akutfall nach Bedarf, Einnahme bereits vor dem Schlafengehen zur möglichen Verhinderung des Entstehens von Beschwerden


Hepar sulphuris C200 - bei Kehlkopf- und Stimmbanderkrankungen wie hier funktioneller Laryngitis bzw. Überlastungslaryngitis mit ausgeprägter Heiserkeit oder Dysphonie bis hin zum vorübergehenden Stimmverlust (Aphonie), in diesem Fall nach starker Beanspruchung der Stimme - 2x täglich bis zur deutlichen Besserung



Anwendung in eigener Verantwortung. Homöopathie ersetzt im Ernstfall niemals die Konsultation eines (Tier-)Arztes. Anhaltende oder wiederkehrende Heiserkeit, Atem- oder Schluckbeschwerden, starke Schmerzen oder andere ungewöhnliche Symptome sollten ärztlich abgeklärt werden.

 
 
 

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