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Der Ochse, der wieder stehen lernte

  • Autorenbild: Boo
    Boo
  • 25. Mai
  • 3 Min. Lesezeit

Oder: Warum manche Verbesserung Zeit braucht, die man sehen lernen muss.



Manchmal gehen Mami und ich einen anderen Weg als sonst. Nicht in den Wald, wo die Rehe sind, und auch nicht an den Bach, sondern hinaus zu den Feldern, wo die Luft nach Heu riecht und nach Arbeit, die jeden Tag wiederkehrt. Ich mag diesen Weg. Er ist ruhiger. Und man trifft Wesen, die nicht viel sagen, aber viel meinen.


An diesem Tag blieb ich schon stehen, bevor wir den Hof überhaupt sehen konnten. Etwas in der Luft war anders. Schwerer. Wärmer. Tiefer. Nicht unangenehm, aber ernst. Mami merkte es auch, ich sah es an der Art, wie sie langsamer ging.


Am Zaun stand der Bauer. Ich kannte ihn gut; normalerweise roch er nach Erde, nach Ruhe und nach Dingen, die ihren Platz haben. Heute roch er nach Sorge. „Kommt ruhig näher“, sagte er, und seine Stimme war leiser als sonst.


Ich ging ein paar Schritte vor, blieb aber mit etwas Abstand stehen. Hinter dem Zaun, im Stroh, lag ein Ochse. Groß, kräftig gebaut – eigentlich ein Tier, das steht. Aber er lag. Sein Kopf ruhte schwer auf dem Boden, und obwohl er ruhig atmete, wirkte es, als würde jeder Atemzug ihn ein kleines bisschen mehr Kraft kosten, als er hatte.


Der Bauer trat zu ihm und strich ihm über den Hals. „Er steht nicht mehr richtig auf“, sagte er. „Seit Tagen schon. Das Bein macht nicht mehr mit.“ Ich sah genauer hin. Das Hinterbein lag nicht verdreht und auch nicht sichtbar gebrochen, aber es wirkte, als hätte es sich von innen zurückgezogen – als wäre etwas darin nicht mehr bereit, zu tragen.


Der Ochse hob den Kopf ein wenig und sah zu uns herüber. Sein Blick war ruhig, fast gelassen, und doch lag etwas dahinter, das ich kannte: kein lauter Schmerz, kein plötzliches Leiden, sondern etwas, das schon länger da war. Etwas, das sich tief im Körper festgesetzt hatte.


Mami ging näher heran und sprach leise mit dem Bauern. Ich blieb, wo ich war, und hörte nur einzelne Worte: „Knochen… Entzündung… schon länger…“ Das passte zu dem, was ich roch. Es war kein frischer Schmerz. Es war einer, der geblieben war.


Schließlich kniete sich Mami neben den Ochsen und legte ihre Hand vorsichtig auf sein Bein. Sie drückte nicht, sie war einfach da. Der Ochse blieb ruhig. Er wich nicht aus. Er spannte sich nicht an. Er ließ es zu – und das ist bei großen Tieren viel.



Dann empfahl Mami dem Bauern ein Protokoll. „Symphytum c200“, sagte sie leise, und danach: „Calc phos D3“. Der Bauer nickte. Er wirkte noch nicht erleichtert, aber nicht mehr ganz so allein.


Wir gingen wieder nach Hause. Doch wir kamen zurück. Am nächsten Tag. Mit den Kügelchen. Und auch am Tag danach. Relativ regelmäßig.


Ich gewöhnte mich an den Hof, an die Geräusche, an das langsame Tempo der Dinge dort. Und ich gewöhnte mich an den Ochsen. Am Anfang lag er fast nur, aber nach einigen Tagen hob er den Kopf, wenn wir kamen, und seine Augen wirkten wacher. Eines Tages sah ich, wie er das betroffene Bein ein kleines Stück anzog. Kaum sichtbar, aber deutlich genug.


„Er versucht es wieder“, sagte der Bauer, und diesmal klang seine Stimme leichter.

Die Zeit verging langsam. Viel langsamer als bei uns zu Hause. Aber irgendwann kam der Moment, auf den alles hingearbeitet hatte. Wir standen am Zaun, als der Ochse sich bewegte, die Vorderbeine unter sich brachte und sich mit großer Anstrengung aufrichtete.


Er stand. Nicht lange, und nicht ganz sicher. Aber er stand.



Niemand sagte etwas. Man stört so einen Moment nicht. Es war einer dieser Augenblicke, in denen man versteht, dass Besserung schleichender Beschwerden (Mami nennt das chronische Erkrankungen) selten laut ist. Sie passiert leise, Schritt für Schritt, und oft so langsam, dass man genau hinsehen muss, um sie überhaupt zu erkennen.


Als wir später gingen, sah ich noch einmal zurück. Der Ochse hatte sich wieder hingelegt, aber anders als am Anfang. Nicht erschöpft, sondern gesammelt.



Euer Boo


🐾




Protokoll:

Symphytum C200 + Calcarea phosphorica D3 (beide Mittel zusammen einnehmen) – bei Knochenentzündungen (z. B. Osteomyelitis), Bandscheibenvorfall, zur Unterstützung von Regeneration und Linderung von Schmerzen – 2× täglich über längere Zeit, je nach Verlauf der Erkrankung


Anwendung in eigener Verantwortung. Homöopathie ersetzt im Ernstfall niemals die Konsultation eines (Tier-)Arztes.




 
 
 

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