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Der Tag, an dem das Licht zu laut war

5. Sept.
5 Min. Lesezeit

Oder: Wenn selbst ein Sonnenstrahl zu viel sein kann.



Es war ein Tag, an dem eigentlich nichts gegen das Licht sprach. Die Sonne stand über dem Garten, auf dem Hang bewegten sich die langen Gräser im Wind, und am Zaun hatte ich am frühen Vormittag bereits eine verdächtige Bewegung festgestellt, die mit einiger Wahrscheinlichkeit Frau J, unsere weiß-karamellfarben gefleckte Nachbarskatze, gewesen war. Ganz sicher konnte ich es nicht sagen, denn sie hatte sich hinter einem Busch verborgen. Ich blieb deshalb am Balkonfenster. Man muss solchen Dingen Zeit geben.


Mami war zu Hause.


Normalerweise ist das eine ausgezeichnete Nachricht. Wenn Mami zu Hause arbeitet, liege ich gern neben ihr, höre den Stimmen aus ihrem Computer zu und behalte gleichzeitig die Umgebung im Auge. Ich nenne das Arbeitsteilung. Mami arbeitet, ich teile mir meine Aufgaben ein.


An diesem Morgen sprachen die Stimmen lange über einen Kopf.


Das fand ich zunächst nicht besonders bemerkenswert. Menschen sprechen erstaunlich oft über Dinge, die man nicht sehen kann. Aber dann kamen Wörter vor, die ich verstand. Dunkel. Ruhe. Übelkeit. Licht. Und immer wieder dieses eine Wort: Migräne.


Mami fragte viel, ihre Stimme war ruhig, so wie immer, wenn sie sehr genau zuhört.


Ich hörte ebenfalls zu. Zumindest eine Weile. Dann legte ich den Kopf auf die Pfoten.

Die Stimmen wurden leiser und rückten weiter weg. Mamis Stimme war noch da, irgendwo zwischen Computer, Garten und Dösen.


Und dann war etwas anders.


Zuerst rieb Mami sich nur die Stirn. Dann stand sie auf und ließ die Jalousien herunter.


Ich hob den Kopf. Das war ungewöhnlich. Draußen befand sich schließlich der Garten.

Und der Hang. Und möglicherweise Frau J.


Ich sah Mami an, um ihr Gelegenheit zu geben, ihre Entscheidung noch einmal zu überdenken. Sie tat es nicht. Stattdessen schloss sie auch noch die Vorhänge. Nun wurde die Angelegenheit ernst.


Ich stand auf und ging zu ihr. Mami setzte sich auf das Sofa und legte den Kopf zurück. Ihre Augen waren geschlossen. Eine Hand lag über ihrer Stirn, die andere ganz still neben ihr.

Ich stupste sie vorsichtig an. Normalerweise kommt dann eine Hand. Manchmal zum Kraulen, manchmal nur kurz auf meinen Kopf. An diesem Tag kam keine. Also blieb ich stehen.


Ich kenne Mami ziemlich gut. Wahrscheinlich besser als die meisten Menschen, die mit ihr sprechen. Menschen achten sehr auf Wörter. Das ist nicht falsch, aber manchmal umständlich. Man kann viel schneller erkennen, wie es jemandem geht, wenn man darauf achtet, wie er sich bewegt. Oder eben nicht bewegt. Mami bewegte sich kaum.


Dann kam Papi herein und fragte etwas. „Pssst“, sagte Mami. Papi wurde sofort leiser.

Ich auch. Das muss man mir nicht zweimal sagen. Kurz darauf piepste irgendwo ein Gerät.

Mami verzog das Gesicht.


Jetzt verstand ich zumindest einen Teil des Problems: Geräusche waren heute offenbar unerwünscht. Ich kenne das. Bei mir betrifft es vor allem Summen. Ein einziges Insekt kann einen Raum in einen Ort verwandeln, den man aus Sicherheitsgründen unverzüglich verlassen sollte. Mami behauptet gelegentlich, eine Fliege sei kein Grund, sich hinter ihr zu verstecken. Das ist ihre Einschätzung. Ich habe meine eigene.


Aber heute war es Mami, die Schutz brauchte.


Sie ging ins Schlafzimmer und legte sich hin. Die Vorhänge wurden geschlossen, die Tür blieb einen Spalt offen.


Ich folgte ihr. Auf halbem Weg fiel mir ein, dass für ernste Situationen eine gewisse Ausrüstung hilfreich ist. Ich kehrte um, holte ClaireBear und trug sie ins Schlafzimmer.

ClaireBear trägt eine Daunenjacke. Das mag im Sommer unnötig erscheinen, aber über gute Vorbereitung sollte man nicht spotten.


Ich legte mich neben das Bett, ClaireBear als Verstärkung zwischen meinen Pfoten.


Mami liegt in einem abgedunkelten Zimmer im Bett und hält sich die Stirn vor Kopfschmerzen, während Boo, mit ClaireBear als Verstärkung zwischen den Pfoten, daneben liegt und über sie wacht.

Mami hatte die Augen geschlossen. Ihr Gesicht sah blass aus, und manchmal zog sie die Stirn zusammen, als hätte jemand darin etwas viel zu eng verknotet. Sie wollte nichts essen. Sie wollte nichts hören. Vor allem wollte sie kein Licht.


Also bewachte ich die Dunkelheit.



Das ist schwieriger, als es klingt. Draußen fuhr ein Auto vorbei. Irgendwo schlug eine Tür. Mami stöhnte. Später lief tatsächlich Frau J am unteren Rand des Gartens entlang.


Ich sah sie. Sie sah mich. Unter normalen Umständen hätte dieser Vorgang eine angemessene Reaktion erfordert. Ich sah zu Mami. Dann wieder zu Frau J. Aber es gibt Momente im Leben, in denen man Prioritäten setzen muss. Frau J verschwand unbehelligt.

Sie weiß bis heute vermutlich nicht, welches Glück sie hatte.


Nach einer Weile kam Papi herein. Sehr leise. Er stellte Mami ein Gläschen mit Zuckerkügelchen hin. „Du hättest es gleich bei den ersten Anzeichen nehmen sollen“, sagte er. Mami öffnete die Augen.


„Acidum pic und Belladonna“, sagte sie.


Ich hob den Kopf. Irgendetwas daran war merkwürdig. Ich kannte diese Wörter. Mami hatte sie schon einmal gesagt. Nur war da eben noch kein Papi gewesen. Da war eine Stimme gewesen. Eine Stimme aus dem Computer. Und während ich noch darüber nachdachte, warum plötzlich alles so seltsam durcheinandergeraten war, hörte ich Mamis Stimme noch einmal. Ganz nah diesmal. „Bei den ersten Anzeichen.“


Ich wachte auf. Ich lag neben Mamis Schreibtisch, mein Kopf auf den Pfoten, von denen eine offenbar gleich mit eingeschlafen war. Mami saß vor ihrem Computer. Sonnenlicht fiel durch die großen Fenster. Die Jalousien waren oben. Die Vorhänge offen.



Boo liegt entspannt neben Mami, die am Schreibtisch an ihrem Notebook sitzt und Boo dabei über den Kopf streichelt.

Mami ging es gut. Ich drückte meine Nase gegen ihren Arm. Man sollte wichtige Dinge überprüfen. Sie legte ihre Hand auf meinen Kopf.


Ich dreht mich kurz zum Fenster um. Licht. Ganz normales Licht.


Aus dem Computer sprach wieder die Frau. „Also nicht warten, bis es so schlimm ist?“

„Nein“, sagte Mami. „Bei den ersten Anzeichen.“


Jetzt ergab einiges mehr Sinn. Offenbar war die Geschichte der Frau aus dem Computer in meinem Traum in Mami hineingeraten. Das war keine besonders gute Idee gewesen.


Mami erklärte noch etwas über die Behandlung zwischen den Attacken und darüber, was die Frau tun sollte, sobald sie merkte, dass eine Migräne begann. Ich verstand nicht alles.

Das musste ich auch nicht. Ich verstand den wichtigen Teil. Man sollte nicht erst warten, bis das Licht zu laut wurde.


Ich rutschte noch etwas näher an Mamis Stuhl heran. So, dass eine meiner Pfoten ihren Fuß berührte. Nur zur Sicherheit.


Ich konnte hören, wie sich draußen etwas am Hang bewegte. Ich hob den Kopf. Frau J.


Diesmal gab es keinen Grund, Prioritäten zu setzen. Ich ging zum Balkonfenster. Schließlich war Mami wieder gesund, der Garten noch da und ich wieder im Dienst.


Manchmal wacht man auf und stellt fest, dass etwas Schlimmes nur ein Traum war. Das ist ein sehr gutes Gefühl. Fast so gut wie der Moment, in dem man rechtzeitig etwas tun kann, damit es gar nicht erst schlimm werden muss.




Euer Boo


🐾




Mittelempfehlung/Protokoll:

Sepia C200 als Dilution – Baseline-Arzneimittel der ersten Behandlungslinie des Banerji-Protokolls bei (hormonell bedingter) Migräne und chronischen Kopschmerzen – einmal pro Woche 1 Dosis (Anzahl der Tropfen pro Dosis entsprechend Herstellerangaben)


und


Acidum picrinicum C200 + Belladonna C3 – SOS-Mittel bei akuten Migräneattacken oder Kopfschmerzen – möglichst bereits bei den ersten Anzeichen alle 30 Minuten bis 3 Stunden eine Dosis (beide Mittel werden gleichzeitig eingenommen), bis es merklich besser wird, dann Einnahmehäufigkeit reduzieren oder das SOS-Mittel absetzen


Das hier beschriebene Protokoll entspricht einer sehr häufigen Konzeption der Banerji-Protokolle bei chronischen Erkrankungen: es gibt ein Mittel für die chronische Veranlagung, das sogenannte Baseline-Mittel (hier Sepia), welches kontinuierlich und gegebenenfalls über einen längeren Zeitraum eingenommen wird; ergänzt wird die Baseline um ein oder mehrere Akutmittel (hier die Kombination aus Acidum picrinicum und Belladonna), welche symptomatisch helfen und je nach Häufigkeit des Auftretens der Symptome entweder ebenfalls täglich (dann meist 1 oder 2x) oder nur bei Bedarf eingenommen werden. Das hier beschriebene Akutmittel hilft oft auch bei begleitender Übelkeit; bei Bedarf wäre es jedoch möglich und üblich, ein weiteres Akutmittel gezielt gegen Übelkeit hinzuzunehmen. Bei chronischen Kopfschmerzen/Migräne bei Kindern wäre diese Behandlungslinie gegebenenfalls NICHT die erste Wahl, da es für Kopfschmerzen in Kindern ein spezifischeres Protokoll gibt, welches man zuerst versuchen würde.


Anwendung in eigener Verantwortung. Wiederkehrende oder ungewöhnlich starke Kopfschmerzen sollten medizinisch abgeklärt werden. Bei plötzlich einsetzenden außergewöhnlich starken Kopfschmerzen oder neurologischen Symptomen ist eine umgehende ärztliche Abklärung erforderlich. Homöopathie ersetzt im Ernstfall niemals die Konsultation eines (Tier-)Arztes.

 
 
 

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