Der Tag, an dem ich das Fressen vergaß
- Boo

- 10. Mai
- 3 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 19. Mai
Oder: Wenn Liebe durch den Magen geht.

Es begann, wie solche Dinge immer beginnen: mit einem Geruch, der nicht zu greifen ist, aber alles verändert.
Wir waren im Wald, Mami und ich. Die Luft war kühl, der Boden weich, und irgendwo zwischen den Bäumen lag dieser eine Duft, der nicht hier war und doch überall. Ich blieb stehen, hob den Kopf und atmete tiefer ein.
Da war sie. Ich hatte sie nie gesehen, aber ich wusste es sofort. Eine Hündin. Läufig. Ganz eindeutig.
Ich vergaß den Weg. Ich vergaß die Geräusche. Ich vergaß sogar kurz, dass Mami noch da war. Alles in mir richtete sich nach diesem einen, unsichtbaren Faden aus, der durch die Luft lief und irgendwohin führte.
„Boo?“, sagte Mami. Ich hörte sie, aber es war… kompliziert.
Ich lief ein Stück vor, blieb wieder stehen, schnupperte, drehte mich im Kreis, als könnte ich den Duft besser greifen, wenn ich mich nur richtig positioniere. Es war nicht möglich. Er war überall und nirgends zugleich.
Zu Hause wurde es nicht besser.
Ich legte mich hin, stand wieder auf, ging zum Fenster, setzte mich, stand wieder auf. Ich atmete, als könnte ich sie dadurch näherholen. Mein Kopf lag auf den Pfoten, aber meine Gedanken waren unterwegs.

Als Mami mir mein Futter hinstellte, sah ich es an. Ein gutes Futter. Wirklich.
Ich ging hin, schnupperte kurz – und drehte mich weg. Das war nicht persönlich gemeint. Ich hatte einfach… Wichtigeres im Kopf.
Mami beobachtete mich. Natürlich tat sie das. „Boo frisst nicht“, sagte sie später zu Papi, und ich hörte dieses kleine Fragezeichen in ihrer Stimme.
Am Abend wurde mir schlecht. Noch nicht dramatisch. Eher dieses leise, wellenartige Unwohlsein, das kommt, wenn der Körper etwas braucht, das man ihm nicht gibt. Ich legte mich hin, stand wieder auf, schluckte ein paar Mal. Das war unangenehm. Der Duft war immer noch da, irgendwo in mir, aber mein Bauch hatte jetzt auch eine Meinung.
Mami strich mir über den Kopf. „Du hast dich ein bisschen verloren, hm?“ Ich sah sie an.
Vielleicht. Mami kannte das schon. Sie wusste, was zu tun war. Die Kügelchen kamen.
"Ipecacuanha", sagte sie leise. "Damit du bald wieder fressen kannst." Ich nahm sie.
Ich blieb liegen.
Langsam wurde mein Bauch ruhiger. Das flache, mulmige Gefühl verschwand. Ich atmete tiefer. Dann stand ich auf und ging wieder zum Napf. Und aß. Nicht hastig. Aber mit einem gewissen Respekt vor der Situation.
Und als ich danach wieder lag, mit dem Kopf auf meinen Pfoten, dachte ich: Manche Dinge ziehen einen so stark, dass man sich selbst dabei vergisst. Gut, wenn dann jemand da ist, der einen leise zurückholt.
Am nächsten Morgen bekam ich wieder Kügelchen. Das kannte ich schon. Ignatia. Die würde ich jetzt ein paar Tage lang bekommen. Denn der Duft war noch da, aber so blieb er weiter weg. Schaffte es nicht mehr, über mich zu bestimmen.
Euer Boo
🐾
Mittelempfehlungen/Protokolle:
Ipecacuanha C30 – bei anhaltender Übelkeit mit oder ohne Erbrechen, insbesondere wenn die Übelkeit trotz Erbrechen nicht nachlässt. Typisch sind vermehrter Speichelfluss, häufiges Schlucken, ein empfindlicher Magen sowie Unruhe oder Appetitverlust. Im Akutfall alle 3 Stunden nach Bedarf, bis eine deutliche Besserung eintritt.
Ignatia C200 – bei akuten emotionalen Belastungsreaktionen wie (Liebes-)Kummer, seelischer Anspannung, innerem Rückzug, Sorgen, Ängsten. Typisch sind wechselhafte Stimmung, Seufzen, Nervosität, Appetitminderung oder das Gefühl „einen Kloß im Hals“ zu haben. 2× täglich bis zur Stabilisierung. Hilft Boo (intakt) sehr über die Zeit der Läufigkeit von Hündinnen hinweg, so dass er das Fressen nicht verweigert und in Folge mit Übelkeit und Nüchtern-Erbrechen reagiert.
Anwendung in eigener Verantwortung. Homöopathie ersetzt im Ernstfall niemals die Konsultation eines (Tier-)Arztes.



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