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Der Tag, an dem Odelli seekrank wurde

  • Autorenbild: Boo
    Boo
  • 18. Mai
  • 3 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 19. Mai

Oder: Warum acht Arme nicht automatisch für Gleichgewicht sorgen.



Es gibt Entscheidungen, die sich im Moment ihrer Entstehung sehr richtig anfühlen und sich erst später als… diskussionswürdig herausstellen.


Diese gehörte dazu.


Wir wollten in den Mini. Der Landy war gerade nicht verfügbar, was ich akzeptiere, solange die Alternativen angemessen sind. Der Mini ist anders, aber er hat seine Vorteile. Man ist näher beieinander, und ich kann meinen Kopf während der Fahrt sehr gut auf Mamis Schulter ablegen, denn im Mini stehe ich immer auf der Rückbank.


Ich hatte mich für Begleitung entschieden.


Odelli.


Ein Oktopus, wie der Name unschwer erkennen lässt, und ein geschätztes Mitglied meiner Gang. Er ist flexibel, anpassungsfähig und im Allgemeinen von einer Gelassenheit, die ich bewundere. Ich hielt ihn für geeignet.


Am Anfang lief alles gut. Ich stand auf der Rückbank, der Fahrtwind kam durch das Fenster, und ich hatte einen guten Überblick. Mami fuhr ruhig, die Straße war gleichmäßig, und die Welt bewegte sich in angenehmer Geschwindigkeit. Odelli hing entspannt aus meinem Maul.

Oder zumindest dachte ich das.


Nach einer Weile legte ich ihn neben mich. Nicht aus Sorge, eher aus Fürsorge. Man muss seine Begleitung nicht dauerhaft tragen.


Er lag da.

Still.

Zu still.


Ich sah ihn an. Sein Gesichtsausdruck – soweit man bei einem Oktopus davon sprechen kann – hatte sich verändert. Seine Arme lagen nicht mehr locker, sondern ein wenig… verteilt. Unkoordiniert. Wenn ich es recht bedenke, sah er auch farblich anders aus. Irgendwie... grünlich?


Ich stupste ihn an. Keine Reaktion. Das war ungewöhnlich. Ich setzte mich und beugte mich über ihn. Die Bewegungen des Autos waren nicht stark, aber sie waren da. Ein leichtes Schaukeln, ein rhythmisches Vor und Zurück, das man ausgleichen muss, wenn man nicht daran gewöhnt ist.


Ich war es.

Odelli offenbar nicht.


„Mami“, sagte ich leise, was bei mir eher ein sehr dezentes Geräusch ist, ein leichtes Fiepen, das aber verstanden wird. Sie drehte sich leicht zu mir um, soweit das während der Fahrt möglich war. „Was ist denn los?“ Ich sah sie an und dann wieder zu Odelli.


Das reichte. Sie hielt an, nahm ihn vorsichtig, legte ihn stabil hin und strich über ihn, als könnte sie ihm erklären, dass die Welt sich zwar bewegt, aber nicht aus den Fugen geraten ist. „Ihm ist schlecht geworden“, sagte sie ruhig. Das erschien mir plausibel.


Mami wusste natürlich, was zu tun war. Kügelchen. Cocculus, sagte sie.


Sie löste sie in ein wenig Wasser auf und tupfte ihm etwas davon auf die Lippen. Naja, eher auf den Mund. Ich beobachtete genau, wie sie das machte. Das ist wichtig, wenn jemand aus der eigenen Gruppe betroffen ist.


Ich legte mich neben Odelli, den Kopf dicht bei ihm. Man bleibt in solchen Momenten zusammen, auch wenn man selbst stabil ist.


Nach einer Weile veränderte sich etwas. Seine Arme lagen wieder geordneter. Sein gesamter Eindruck… sammelte sich. Er wurde wieder rosa.


Ich stupste ihn erneut an.

Diesmal wirkte er weniger verloren.

Gut.


Ich setzte mich wieder auf, stellte die Pfoten stabil hin und nahm meine Position ein. Man kann nicht die ganze Fahrt liegen, nur weil jemand kurzzeitig die Orientierung verloren hat.

Aber ich blieb ein kleines Stück näher bei ihm als sonst. Nur für den Fall.


Als wir anhielten, nahm ich ihn wieder ins Maul. Er fühlte sich an wie immer. Leicht, vertraut, vollständig bei sich. Ich trug ihn ins Haus und legte ihn in mein Körbchen.

Und dachte: Nicht jeder ist für jede Bewegung gemacht. Und selbst wer acht Arme hat,

braucht manchmal jemanden, der kurz für Ordnung sorgt.



Euer Boo


🐾




Mittelempfehlung/Protokoll:

Cocculus C30 – bei Übelkeit durch Bewegung (z. B. Autofahren), Schwindel und Desorientierung, auch Drehschwindel und Cyber Sickness – 2× täglich oder bei Bedarf vor und während der Belastung


Anwendung in eigener Verantwortung. Homöopathie ersetzt im Ernstfall niemals die Konsultation eines (Tier-)Arztes.

 
 
 

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