Die Sache mit den Waldpassagieren
Aktualisiert: 5. Sept.
Oder: Wenn Papi plötzlich auf den Untersuchungstisch gehört
Es war einer dieser Sommertage, an denen der Wald schon am Morgen warm riecht. Nach Erde, Blättern, Holz und all den Dingen, die Menschen meistens gar nicht bemerken, weil ihre Nasen dafür, nun ja, nur bedingt geeignet sind.
Meine dagegen schon.
Ich hatte an diesem Tag mehrere wichtige Aufgaben. Ich musste feststellen, wer in der Nacht unseren Weg benutzt hatte, an einer Stelle sehr ausführlich die Nachrichten eines Hasen lesen und Mami darauf aufmerksam machen, dass zwischen den Bäumen ein Reh stand.
„Wo ist das Reh, Boo?“
Ich sah mich um.
Natürlich wusste ich längst, wo es war. Aber Teamarbeit bedeutet, dem anderen das Gefühl zu geben, ebenfalls beteiligt zu sein.
Das Reh blieb kurz stehen, ich blieb ebenfalls stehen, wir sahen uns an, und dann ging jeder seiner Wege. So etwas kann man durchaus würdevoll regeln.
Weniger würdevoll sind die anderen Bewohner des Waldes.
Die ganz kleinen.
Zecken.
Ich kenne sie gut. Sie mögen mich offenbar. Das beruht nicht unbedingt auf Gegenseitigkeit.

Nach unseren Waldspaziergängen beginnt deshalb zu Hause meistens eine ziemlich gründliche Untersuchung. Papi fährt mit den Händen durch mein Fell, kämmt, sucht und tastet. Ich helfe dabei. Wenn irgendwo etwas juckt, kann ich sehr präzise mit der Pfote zeigen, wo nachgesehen werden sollte.
Man muss seine Menschen schließlich ein wenig unterstützen.
Papi macht das sorgfältig und geduldig. Mein Fell ist dicht, und eine Zecke darin zu finden ist ungefähr so, als würde man einen sehr kleinen ungebetenen Gast in einem ziemlich großen, gut gepolsterten Haus suchen.
Nur dass der Gast acht Beine hat. Und nicht eingeladen war.
Das Problem an dieser Sache ist: Nicht jede Zecke, die Papi in meinem Fell sucht, hat sich schon entschieden, dort zu bleiben. Manche sind noch offen für Veränderungen.
Und so muss eine von ihnen während einer dieser gründlichen Untersuchungen zu dem Schluss gekommen sein, dass Papi möglicherweise die interessantere Wohngegend ist.
Ich möchte an dieser Stelle ausdrücklich festhalten, dass ich sie nicht bewusst abgegeben habe. So etwas tut man nicht. Zumindest nicht mit Absicht.
Jedenfalls hatte ich nach der Untersuchung eine Zecke weniger. Und Papi eine mehr.
Normalerweise wird darüber kein großes Aufheben gemacht. Zecke entdecken, entfernen, verdünnte Calendula-Tinktur auftupfen, Stelle beobachten. Fertig.
Doch dieses Mal war es anders.
Mami entdeckte an der Stelle eine kleine Rötung. Nicht einfach nur einen roten Punkt, wie man ihn nach einem Stich erwarten würde, sondern einen kleinen Ring darum.
Sie sah genauer hin. Dann noch einmal.
Ich kenne diesen Blick. Das ist der Blick, bei dem aus Mami plötzlich jemand wird, der sehr ruhig aussieht und gleichzeitig im Kopf ungefähr siebzehn Dinge auf einmal überprüft.
„Das gefällt mir nicht“, sagte sie.

Papi betrachtete die Stelle.
Ich betrachtete Papi.
Es kommt nicht oft vor, dass er der Patient ist.
Und da ich an der Entstehung der Angelegenheit möglicherweise nicht vollkommen unbeteiligt gewesen war, setzte ich mich in angemessener Nähe dazu. Nicht aus schlechtem Gewissen. Ich beaufsichtigte die Situation.
Mami verdünnte wieder Calendula- Tinktur mit Wasser und behandelte damit die Stichstelle von außen. Dann holte sie ihre kleinen Röhrchen.
Die kenne ich natürlich. Zuckerkügelchen. Diesmal bekam nicht ich sie.
Papi bekam Ledum C200. Und 10 Minuten später Aurum arsenicosum C200.
Ich muss zugeben, dass dieser Rollenwechsel etwas Befriedigendes hatte. Jahrelang bekommt man selbst Dinge auf die Lefze gelegt, während zwei Menschen einen aufmerksam beobachten. Nun saß ich da und konnte endlich einmal zurückbeobachten.
Sehr interessant.
Am nächsten Tag schaute Mami wieder nach der Stelle. Papi durfte weiter Zuckerkügelchen essen. Wieder einen Tag später kontrollierte Mami erneut.
Der Ring war schon kleiner geworden.
Sie fotografierte ihn trotzdem und behielt ihn weiter im Auge. Denn Mami ist bei solchen Dingen nicht besonders empfänglich für den Satz: „Sieht doch wieder gut aus.“ Gut aussehen und gut sein sind für sie zwei verschiedene Dinge. Das weiß ich aus Erfahrung.
Die Kügelchen gab sie Papi noch eine ganze Zeit lang weiter. Wenn auch immer seltener. Ob das in diesem Fall überhaupt nötig war, konnte natürlich niemand wissen. Die Rötung war schließlich nach 4 Tagen fast verschwunden.
Aber Mami wollte es so. „Sicher ist sicher“, sagte sie.
Menschen sagen diesen Satz erstaunlich oft. Meistens kurz bevor sie etwas besonders gründlich machen.
Ich fand, Papi trug sein Patientendasein recht ordentlich. Kein Jammern, kein dramatisches Betrachten der Einstichstelle, keine Forderung nach besonderen Mahlzeiten. Wobei ich persönlich den letzten Punkt für einen Fehler halte. Wenn man schon Patient ist, sollte man die Möglichkeiten ausschöpfen.
Am Abend lag ich neben ihm. Draußen hing die warme Luft noch über dem Garten, irgendwo summte etwas, weshalb ich vorsichtshalber etwas näher an Papi rückte. Nur zur Sicherheit natürlich.
Er legte seine Hand auf meinen Rücken.
So sitzen wir oft da.
Papi und ich.
Er sucht die Zecken in meinem Fell, trägt mich durch schlechte Nächte, steht auf, wenn ich ihn brauche, und bleibt ruhig, wenn die Dinge einmal nicht ruhig sind. Mein Fels in der Brandung.
Und manchmal sucht ein Fels eben eine Zecke im Fell seines Hundes und hat sie hinterher selbst.
So kann es gehen.
Dann muss jemand anderes aufpassen.
Das kann ich.
Sehr gut sogar.
Euer Boo
🐾
Mittelempfehlungen/Zecken-Protokoll: Calendula-Tinktur – zur Wundreinigung, Desinfektion, in diesem Fall äußerlichen Behandlung der Einstichstelle nach vollständiger Entfernung der Zecke, wirkt anti-bakteriell – 1:20 mit Wasser verdünnen und Einstichstelle damit betupfen, ggf. auch mehrfach täglich
Schritt 1 des Zeckenprotokolls: Akut, Biss ohne Erkrankung
Ledum C200 – anti-bakteriell, zur Verhinderung/Behandlung von Infektionen bei punktförmigen Wunden wie eingetretenen Nägeln, Nadelstichen (auch verunreinigte Spritzen), Dornen, Insektenstichen, Zecken- und anderen Tierbissen etc. – am ersten Tag alle 3 Stunden eine Gabe (ist der Einstich nicht auffällig gerötet, reichen auch am ersten Tag 2 Gaben), dann 2x täglich für 1 Woche, anschließend für einen Monat 2x wöchentlich je 1 Gabe, danach 1x wöchentlich 1 Gabe für einen weiteren Monat – Einstichstelle und Allgemeinbefinden beobachten und bei auffälligem Verlauf ärztlich kontrollieren lassen
Schritt 2 des Zeckenprotokolls: Bei positiver Diagnose von Lyme-Borreliose (wie hier der ringförmigen Rötung (Wanderröte), die sich teilweise erst Tage nach dem Biss entwickeln kann oder auch gar nicht entstehen muss)
Zusätzlich zu Schritt 1, d.h. parallel dazu angewendet, aber mit jeweils ca. 10-15 Minuten Abstand zwischen den einzelnen Mitteln Aurum arsenicosum C200 (alternativ Hypericum C200 + Arsenicum album C200) in selber Weise wie für Ledum in Schritt 1: 2x täglich für 1 Woche, anschließend für einen Monat 2x wöchentlich je 1 Gabe, danach 1x wöchentlich 1 Gabe für einen weiteren Monat
Schritt 3 des Zeckenprotokolls: Bei klinischen Symptomen von Lyme-Borreliose
Zusätzlich zu den Schritten 1 und 2, d.h. wieder zeitlich parallel dazu angewendet Borrelia burgdorferi C30 oder Lyme-Nosode C30 – täglich 1 Gabe für 3 Tage
Akute Symptome (wie etwa Kopfschmerzen, Gelenkschmerzen o.ä.) werden zusätzlich zu dem beschriebenen Protokoll mit ihren entsprechenden Mitteln behandelt. Bei Boo, der an einer durch Zecken übertragenen Anaplasmose leidet, haben wir in Schritt 3 anstelle der Lyme-Nosode eine andere, entsprechende Nosode gewählt, das in selber Potenz und Anwendungshäufigkeit.
Anwendung in eigener Verantwortung. Homöopathie ersetzt im Ernstfall niemals die Konsultation eines (Tier-)Arztes.



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