Wenn es im Gras orange wird
Aktualisiert: 5. Sept.
Oder: Wenn Juckreiz einem die Jagd vereitelt.
Es war einer dieser warmen Spätsommertage, an denen der Abend schon ein wenig nach Herbst roch. Mami und ich waren noch einmal draußen unterwegs, über den Wiesen lag goldenes Licht, und ich hatte meine Nase im Wind.
Eigentlich war alles bestens. Nur meine Pfoten juckten.
Schon im Garten hatte ich immer wieder daran geknabbert. Mami hatte es gesehen, aber noch nichts gesagt. Sie weiß, dass ich kleinere Angelegenheiten gern zunächst selbst kläre.
Dann blieb sie plötzlich stehen.
„Boo“, flüsterte sie. „Wo ist das Reh?“
Sofort war das Jucken vergessen.
Ich hob den Kopf und suchte die Wiese ab. Links nichts. Am Waldrand nichts. Hinter den hohen Gräsern vielleicht …
Und da sah ich es.
Eine Rehgeiß stand am Rand der Wiese, halb zwischen den Büschen.
Ich sah zu Mami. Sie lächelte.
Gefunden.
Ich liebe diesen Moment.
Von da an gehört das Reh mir. Nicht zum Fangen natürlich. Ich bleibe stehen und beobachte es, manchmal sehr lange. Ich sehe, wohin es schaut, wann es weiterfrisst, wann es den Kopf hebt und irgendwann im Wald verschwindet. Dann suchen Mami und ich etwas Neues. Einen Hasen vielleicht. Ein anderes Reh. Einen Vogel, der sich verdächtig wichtig benimmt.

Es ist meine Art zu jagen. Nur dass an diesem Abend meine Pfoten andere Pläne hatten.
Es juckte plötzlich so fürchterlich zwischen meinen Zehen, dass ich eine Vorderpfote anhob und zu kratzen versuchte.
Das Reh bewegte sich. Ich wollte schauen. Aber meine Pfoten juckten zu sehr. Ich
setzte mich hin und begann zwischen den Zehen zu knabbern.
Nun bin ich ein Akita. Wir setzen uns nicht mitten in einer wichtigen Aufgabe auf den Boden, um an unseren Füßen herumzukauen, nur weil es irgendwo ein bisschen kribbelt.
Wenn wir das tun, hat die Lage einen gewissen Ernst erreicht.
Das Reh machte ein paar Schritte in Richtung Wald.
Ich sah hoch.
Dann wieder zur Pfote.
Reh.
Pfote.
Reh.
Pfote.
Schließlich verschwand die Rehgeiß zwischen den Bäumen, während ich an meinen Zehen kaute. Ich hatte den entscheidenden Moment verpasst. Das war ärgerlich.
Zu Hause ging ich deshalb direkt zu Mami. Ich setzte mich vor sie, hob meine Vorderpfote.
Jetzt bitte.

Mami verstand. Sie setzte sich zu mir auf den Boden, nahm meine Pfote und spreizte vorsichtig die Zehen auseinander. Dann schaute sie ganz genau hin. „Da haben wir sie.“ Zwischen meinen Zehen saßen winzige orangefarbene Pünktchen.
Herbstgrasmilben.
Mami holte die Zuckerkügelchen und gab mir Antimonium crudum C6. Das half. Was für eine Erleichterung.
Am nächsten Morgen bekam ich sie wieder. Nach und nach ließ das Jucken nach. Ich hörte auf, zwischen den Zehen zu knabbern, und meine Pfoten wurden wieder das, was Pfoten sein sollten: verlässliche Körperteile, über die man nicht weiter nachdenken muss.
Ein paar Tage später standen Mami und ich wieder am Rand einer Wiese.
„Boo“, sagte sie leise. „Wo ist der Hase?“
Ich hob den Kopf und suchte. Da. Ein Stück weiter vorne saß er im Gras, so still, dass er beinahe selbst wie ein brauner Erdklumpen aussah. Nur seine Ohren verrieten ihn.
Ich schaute zu Mami, dann wieder zum Hasen.
Er saß. Ich stand. Wir beobachteten einander.
Meine Pfoten waren vollkommen still.
Dann hoppelte er los. Erst langsam, dann immer schneller, bis er mit ein paar großen Sätzen im hohen Gras verschwand.
Ich sah ihm hinterher, jeden Muskel meines Körpers gespannt. Alles gesehen.
Dann schaute ich Mami an. Was suchen wir jetzt?
Mami kennt diesen Blick. Sie rannte los. Hinter dem Hasen her, aber nicht wirklich hinter dem Hasen her. Das ist ein wichtiger Unterschied, besonders für den Hasen.
Ich lief neben ihr, dann ein Stück voraus, sie holte auf, ich beschleunigte, und für eine Weile rannten wir einfach gemeinsam über den Weg, während der Hase längst irgendwo saß und sich vermutlich fragte, was mit uns beiden nicht stimmte.
So gehört sich das. Erst finden wir etwas. Dann beobachten wir es, bis es verschwindet. Und manchmal muss Mami danach eben selbst etwas in Bewegung bringen, damit ich mich noch ein bisschen austoben kann. Sie weiß das, ich muss es ihr nicht erklären. Und das ist das Beste an unserer gemeinsamen Jagd: dass keiner von uns wirklich jagt und trotzdem beide ganz genau wissen, wie das Spiel geht.
Euer Boo
🐾
Mittelempfehlung/Protokoll:
Antimonium crudum C6 – hier bei Juckreiz an den Pfoten im Zusammenhang mit Herbstgrasmilben, generell bei Jucken mit oder ohne Hautausschlag, für Menschen und Tiere gleichermaßen – 2× täglich, bei Bedarf auch öfter
Anwendung in eigener Verantwortung. Homöopathie ersetzt im Ernstfall niemals die Konsultation eines (Tier-)Arztes.



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